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Ein kurzer Ruck, ein Knall oder plötzlich ist der Strom weg: Wenn Sie beim Bohren eine Leitung erwischt haben, zählt jetzt vor allem eines – Ruhe bewahren und konsequent absichern. Auch wenn scheinbar „nichts passiert“ ist, kann eine beschädigte Ader später zu Kurzschluss, Brand oder Stromschlag führen. Mit den folgenden Sofortmaßnahmen und einer klaren Schrittfolge minimieren Sie das Risiko und wissen, wann unbedingt ein Elektrofachbetrieb übernehmen muss.
Materialien & Werkzeuge
- Taschenlampe – um die Bohrstelle und den Sicherungskasten sicher zu prüfen, ohne zusätzliche Geräte anzuschließen.
- Handy/Notizblock – für Fotos, Uhrzeit und Beobachtungen (Geruch, Funken, ausgelöste Sicherung) zur späteren Dokumentation.
- Filzstift/Kreppband – zum Markieren der Bohrstelle, damit niemand sie versehentlich berührt oder überarbeitet.
- Schraubendreher (isoliert) – nur falls nötig, um die Abdeckung am Verteiler/Sicherungskasten zu öffnen (sofern gefahrlos möglich).
- Zweipoliger Spannungsprüfer – für eine verlässliche Prüfung (einpolige „Phasenprüfer“-Schraubendreher sind hierfür ungeeignet).
- Schutzhandschuhe – als zusätzliche Barriere, ersetzen aber keine fachgerechte Abschaltung.
- Feuerlöscher (Brandklasse ABC) oder Löschdecke – für den unwahrscheinlichen, aber kritischen Fall von Schmorbrand.
- Leitungssuchgerät (für später) – um bei künftigen Arbeiten Leitungsverläufe vor dem Bohren zu orten.
Wichtig: Reparaturen an fest verlegten Leitungen gehören in der Regel in die Hände eines Elektrofachbetriebs. Ziel der folgenden Schritte ist die sichere Erstreaktion und eine sinnvolle Vorbereitung für die professionelle Instandsetzung.
Schritt-für-Schritt-Vorgehen
- Sofort stoppen und Abstand halten.
Bohrmaschine loslassen, nicht weiter bohren und die Bohrstelle nicht anfassen. Wenn es schmort oder raucht, verlassen Sie den Bereich und sichern Sie ihn. - Stromkreis abschalten – zuerst am Sicherungskasten.
Schalten Sie den betroffenen Leitungsschutzschalter (Sicherung) aus. Falls unklar ist, welcher Kreis es ist, schalten Sie die Hauptsicherung bzw. alle Sicherungen aus. Bei ausgelöstem FI/RCD: nicht einfach wieder einschalten. - Auf akute Gefahren prüfen.
Achten Sie auf Brandgeruch, Hitze an der Wand, Verfärbungen, Knistergeräusche oder Rauch. Bei Rauch/Feuer: 112 rufen, nicht mit Wasser löschen. - Bohrloch nicht „verschließen“ und nichts provisorisch isolieren.
Kein Spachtel, kein Klebeband, keine „schnelle“ Verbindung im Loch. Eine scheinbar kleine Kerbe kann die Isolation so schwächen, dass später ein Fehlerstrom oder Lichtbogen entsteht. - Bohrstelle markieren und Umfeld freiräumen.
Kennzeichnen Sie die Stelle gut sichtbar (Kreppband/Markierung). Entfernen Sie brennbare Materialien in unmittelbarer Nähe. Das erleichtert dem Elektriker die Ortung und reduziert Risiken. - Dokumentieren Sie, was passiert ist.
Notieren Sie: Raum, Wandseite, Höhe vom Boden, Bohrtiefe (falls bekannt), ob ein FI ausgelöst hat, ob Geräte ausgegangen sind, ob es Funken gab. Machen Sie ein Foto der Stelle und des Sicherungskastens (welcher Schalter war betroffen). - Spannungsfreiheit prüfen – nur, wenn Sie wissen, was Sie tun.
Wenn Sie einen zweipoligen Spannungsprüfer sicher bedienen können, prüfen Sie an einer Steckdose im betroffenen Bereich, ob der Stromkreis tatsächlich aus ist. Wenn Sie unsicher sind: lassen Sie diesen Schritt weg und halten Sie alles abgeschaltet. - Elektrofachbetrieb kontaktieren und Schaden prüfen lassen.
Für eine sichere Instandsetzung sind Messungen wie Isolationsprüfung und Durchgängigkeitstest nötig. Häufig muss ein Leitungsabschnitt freigelegt und fachgerecht erneuert werden (z. B. mit zugelassenen Verbindungs- und Dosenlösungen an zugänglicher Stelle). - Erst nach Freigabe wieder einschalten.
Schalten Sie die Sicherung erst wieder ein, wenn die Leitung geprüft und instandgesetzt wurde. Das gilt auch dann, wenn Licht und Steckdosen scheinbar funktionieren – verdeckte Schäden zeigen sich oft erst später.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- „FI ist wieder drin, also ist alles okay.“
Fix: Ein ausgelöster FI kann auf eine beschädigte Isolation hindeuten. Ohne Messung bleibt das Risiko bestehen. - Provisorisch flicken und überputzen.
Fix: Leitungsverbindungen müssen in zugänglichen, zugelassenen Dosen erfolgen. Überputzte Provisorien sind gefährlich und später schwer prüfbar. - Mit einem einpoligen Phasenprüfer „testen“.
Fix: Verwenden Sie für verlässliche Aussagen einen zweipoligen Spannungsprüfer oder lassen Sie messen. - Nur den Schalter im Raum ausschalten.
Fix: Lichtschalter trennen nicht immer alle Leiter. Abschalten gehört an den Sicherungskasten. - Zu knapp an typischen Leitungszonen bohren.
Fix: Rechnen Sie mit Leitungswegen senkrecht/waagerecht zu Steckdosen, Schaltern und Verteilern. Nutzen Sie ein Leitungssuchgerät und planen Sie Bohrpunkte versetzt. - „Wird schon halten“ bei nachfolgenden Arbeiten.
Fix: Wenn Sie ohnehin an der Elektroinstallation arbeiten (z. B. Lichtschalter austauschen), lassen Sie Leitungen und Anschlussstellen im Umfeld gleich mit prüfen, um verdeckte Folgeschäden auszuschließen.
Zusammenfassung
Wenn eine Leitung beim Bohren beschädigt wurde, geht es zuerst um konsequente Abschaltung, Gefahrenkontrolle und saubere Dokumentation. Verzichten Sie auf provisorische Reparaturen und lassen Sie die Elektroinstallation prüfen lassen – inklusive Messungen, die nur ein Fachbetrieb zuverlässig durchführen kann. So vermeiden Sie Folgeschäden und schaffen eine sichere Basis für alle weiteren Arbeiten in Wohnung oder Haus.